Gelesenes

Philosophie einer Lieblingsserie und die Folgen

Mein Mann und ich, wir haben eine Lieblingssendung, die uns über die letzten Jahre wirklich viel Kurzweil und Ablenkung beschert hat und auch noch tut. Ich kann die Staffeln x-mal hintereinander immer wieder schauen, und entdecke immer wieder neue Schmunzler.

Neulich dazu sogar ein Buch entdeckt: „The Big Bang Theory und die Philosophie- Stein, Papier, Schere, Aristoteles, Locke“

Eine nette Rezension mit Link zur Leseprobe findet sich im „FAZ- Lesesaal“

Mittlerweile habe ich es gelesen und sehe nun manche Folge mit noch wacheren Augen. Sheldons Charakter ist schon sehr speziell; man mag ihn oder man schaltet sofort ab. „Charakterneurosen“ beschreibt es hier. Für die absoluten Fans gibt es eine nette Fan- Seite.

Mit dem Asperger- Syndrom hatte ich mich vor drei Jahren schon einmal intensiver beschäftigt, da meine, jetzt ehemalige Kollegin, die mich derzeit in die Bedienung der Elektronenmikroskope eingewiesen hat, Asperger- Symptome zeigte. Das halbe Jahr mit ihr zusammen war anstrengend. Nach ein paar Wochen Zusammenarbeit ist mir überhaupt erst ein Licht aufgegangen, dass es Asperger sein könnte. Ich musste sogar nachlesen, ob es Asperger bei Mädchen überhaupt gibt. Tut es, allerdings zeigt es sich durch den Mädchencharakter etwas anders. Mit diesem Wissen konnte ich, selber emotional gerade stark belastet, dann die nötige Geduld aufbringen, um die letzten Wochen mit ihr noch gut zu überstehen. Ich  hatte mich nicht getraut sie daraufhin anzusprechen, so gut kannten wir uns nicht, aber ich hatte die ganz starke Vermutung, dass sie, wie auch ihre Eltern, noch nie etwas vom Asperger gehört haben. Die Tochter, immer wohl behütet, alles ganz normal und doch so anders.

In dem oben erwähnten Buch wird auch auf das Asperger- Syndrom eingegangen. In diesem Sinn also auch informativ. Was mich an dem Buch noch mehr festhielt, war die Überleitung von der Physik zur Philosophie, inklusive der alten Griechen. Ich habe nämlich einen Hang zum Philosophischen sowie zum Psychologischem.

Wer der Serie kennt, dem schießt dabei wahrscheinlich sofort die Folge „Das Gorilla- Projekt“ ins Hirn, wo Sheldon versucht Penny die Physik zu erklären. „Es ist ein warmer Sommertag…“ “ It’s a warm summer evening, circa 600 BC, you’ve finished your shopping at the local market, or agora, and you look up at the night sky. There you notice some of the stars seem to move, so you name them planetes, or wanderer.“… „it’s a warm summer evening in ancient Greece…“

Spontan- Reaktion meines Mannes: „Die Streifen vom Shirt gefallen mir. In den Farben wünsche ich mir Socken.“

Ein paar Tage später dann die Folge mit Monte, dem Kampfroboter. Und ach, was sehen wir: Das besagte T-Shirt! 😀

image

Auch im „Doppeldate“ in Staffel 3:

 

 

Sheldons Socken Meisenfarben-1

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Buch mit Stimme

Zum Aussuchen eines neuen Hörbuchs hatte ich mal wieder in den aktuellen Literaturlisten mit Neuerscheinungen geschmökert.

Hausfrau

Hausfrau– gelesen von Eva Matthes. Eva Matthes mag ich gern hören. Gute Kritiken von Guardian, etc. Guter Schreibstil- liebe ich.

Kurz zum Inhalt:

Anna langweilt sich. Anna ist Amerikanerin. Und Hausfrau. Und traurig. Ohne Ehrgeiz und Ziel, und alles, was sie in ihrem Leben jemals wollte, war Hausfrau zu sein. Ihre Ausbildung bestand im Studium der Hauswirtschaft. Anna ist Ende dreissig, hat drei Kinder, einen Mann bei der Credit Suisse und eine Therapeutin.
Annas Mann ist Schweizer und einer jener Banker, die sich über die Welt von einem Job zum andern verschieben lassen. Anna folgt ihm und verschiebt sich selbst von einem Liebhaber zum andern. Anna ist eine Expat, gehört also zu jener privilegierten Schicht gebildeter, vornehmlich weisser Ausländer. In Zürich. Genauer in Dietlikon. In einem Vorort von Ikea also.

Geschichten, die in der Schweiz spielen, mag ich gern. Erst recht, weil eine liebe Freundin (jedoch Schweizerin) in Stallikon wohnt, auch ein Vorort von Zürich und ich mir die Gegend und die Lebenssituation dort sehr gut vorstellen kann. Außerdem habe ich eine deutsche Freundin in der Schweiz; weiß ein bisschen um die „Problematik“ Dauergast in der Schweiz zu sein.
Ja, das Buch hat mich gefesselt! Aber gänzlich anders als ich erwartet habe. Habe mich ein bisschen selbst darin gefunden, da auch in mir ab und ein eine Leere einzieht. Anders als die Protagonistin in dem Buch, habe ich jedoch für mich erkannt, dass ich diese Leere füllen kann, indem ich auf andere zugehe und nicht darauf warten und hoffen kann, dass diese mich finden. Auch schafft die Protagonistin es nicht, sich irgendjemandem wirklich anzuvertrauen. Verschließt sich alldem und denen wenigen, die auf sie zukommen. Es gibt noch ein paar kurze Parallelen mehr und die literarischen Ausflüge in die Philosophie in dem Buch werden wirklich gut vermittelt. Jung’sche Analysen reißen Masken herunter. 😉

Es geht um Isolation, um Lähmung und Depression. Sprachlich isoliert in einem Land, das nie ihre Heimat geworden ist, wird Anna ihre schwermütige Veranlagung zum Verhängnis. Auch ein Deutschkurs, die Freud’sche Analyse durch eine burschikose Therapeutin und eskalierende Affären können Anna nicht davor bewahren, dass sie innerlich immer mehr zerfällt.

Okeeee…, na und dann passiert etwas in dieser Geschichte, was in keiner Rezension oder Inhaltsangabe erwähnt wird und mir die Luft abschnürt. Also für die, die das Buch gänzlich voreingenommen selber lesen/hören wollen, gilt hier nun SPOILERALARM!

Mit seinem Höhepunkt hat mich diese Geschichte des nächtens kalt erwischt! Mir liefen die Tränen, gewohnt lautlos zwar wie eigentlich jeden Abend einmal, aber hierbei wie ein Wasserfall. Alles, was uns selbst geschehen, war wieder so präsent wie am ersten Tag mit der ganzen Ohnmacht und vollem Schmerz und trotzdem mochte/konnte ich den blöden Ipod nicht abschalten. Musste unbedingt wissen, wie diese Anna damit umgeht; was aus ihr wird. Obwohl schon ahnend, dass es kein gutes Ende nehmen wird, höre und heule ich in dieser Nacht das Buch bis zum Ende weg.

Sie ist nicht daheim, als ihr Ältester (10) nicht Acht gibt und von einem Auto erfasst wird. Ja, ich weiß, dass in einem von Tausend Fällen bei solch Unfall ein Hirngefäß platzen kann und die Blutung nicht zu stillen ist. Braucht Frau Matthes mir nicht zu erzählen. Das Kind verstirbt am Unfallort.
Wieso muss gerade mir dieses Buch in die Hände fallen??????????????? Sollte das so sein??? Mag ich solch wirklich lesen/hören???
Mir, die seitdem unsrigen Geschehen um Regionalnachrichten, Reportagen zu Krieg und Armut, Dramen und Tragödien, Krimis einen großen Bogen macht, da ich das Leid nicht mehr ertragen kann, weil ich aller Kraft selber brauche, um dem Leben weiterhin positiv gegenüberzustehen. Jedes Schicksal sticht mir in mein Herz, welches eh schon angebrochen.

Ende der Geschichte ist, dass ihr Mann, von dem sie sich schon seit Ehebeginn sehr allein gelassen fühlt, herausbekommt, dass ihr jüngstes Kind ein Kuckuckskind ist. So setzt er sie vierzehn Tage nach dem Tod ihres Kindes vor die Tür. Einen ganzen Tag irrt sie haltlos durch Zürich. Stellt fest/findet heraus, dass sie keine wirklichen Freunde hat.
Der Schweizer Bahn wird nachgesagt, dass sie immer pünktlich ist. Unpünktlich ist sie nur, wenn sich jemand vor den Zug geworfen hat. Am Ende dieses Tages ist die Bahn unpünktlich!
Ich kann solch Buch nicht einfach so beiseite legen. Mache mir meine Gedanken. Brauche aber gut zwei Wochen bis ich mich selbst wieder gefangen habe. Bin teilweise so aufgewühlt, dass meine Muskeln und mein Zwerchfell wieder spinnen, ich mich nicht auf meine Arbeit konzentrieren kann und richtig arge Fehler mache, die mich erst recht ärgern und nachdenklich machen, ob all das, wie ich mit meiner Trauer umgehe, so richtig ist. Es ist nun mal so, dass ich die Zeit nicht mehr zurückdrehen kann und erfahren (nicht lernen, das finde ich, ist hier nicht der richtige Begriff!) muss, mit all dem umzugehen, was das Leben mir in Zukunft bringen wird. Und sei es solch ein „blödes“ Buch!
Das Buch allein für sich ist nun für mich abgearbeitet. Es hat mir gezeigt, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Trotz dieser Erfahrung möchte ich das Buch empfehlen, da es tief berührt und einen mitnimmt. Als Hörbuch mag ich es erst recht empfehlen, denn Eva Matthes ist die richtige Stimme für das Buch.
In einer Rezension finde ich folgendes:

Wer’s immer noch nicht begriffen hat: HAUSFRAU ist eine Tragödie. Eine Abwärtsspirale. Von Beginn an fatal. Regenbögen und Einhörner geht ihr besser woanders suchen.

Bei einigen Rezensenten wird das Buch aufgrund der Beschreibung der Sexszenen abgewertet. Ich sehe den Kern des Buches aber eh woanders.

Ich verlinke mal, auf die Pressestimmen vom Verlag selbst zitiert, sowie der ZEIT und Watson.ch

Zwei sehr gute Rezensionen finden sich bei amazon.de